«Ich wollte meinen Kindern zuliebe überleben» – Muttertag in Belarus
Am 14. Oktober ist Muttertag in Belarus, doch viele Mütter waren oder sind noch immer politische Gefangene eines inhumanen Systems. Zahlreiche Kinder müssen ohne ihre Mutter aufwachsen, weil das Regime sie ihnen aus politischen Gründen weggenommen hat. Das ist die schmerzhafte Realität in Belarus.

Florian Wiedemann
Programmverantwortlicher Belarus

Am 14. Oktober ist Muttertag in Belarus, doch viele Mütter waren oder sind noch immer politische Gefangene eines inhumanen Systems. Zahlreiche Kinder müssen ohne ihre Mutter aufwachsen, weil das Regime sie ihnen aus politischen Gründen weggenommen hat. Das ist die schmerzhafte Realität in Belarus.
Ich wollte meinen Kindern zuliebe überleben (Antanina Kanavalava).
In Belarus wurden seit 2020 über 900 Frauen aus politischen Gründen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Derzeit warten mindestens 113 weibliche politische Gefangene auf ihre Freilassung und Rückkehr zu ihren Familien. Viele von ihnen haben minderjährige Kinder, von denen sie für Jahre getrennt sind und deren Entwicklung sie verpassen.
Für eine Mutter ist es eine echte Folter, ihre Kinder vier Jahre lang nicht zu sehen. Die Behörden wissen das und streuen jeden Tag Salz in diese mütterliche Wunde, indem sie von mir verlangen, dass ich Geständnisse unterschreibe und kooperiere (Antanina Kanavalava).
Die Repression durch das Regime betrifft die Kinder ebenso wie ihre Mütter. Sie müssen ohne die mütterliche Fürsorge aufwachsen. Sie sind meist in einem Alter, in dem sie die Geschehnisse nicht richtig verarbeiten, geschweige denn verstehen können: Kinder können sich schlicht nicht vorstellen, dass ihnen die Mutter einfach weggenommen wird, weil sie friedlich demonstrierte oder öffentlich ihre Meinung sagte.
Weibliche politische Gefangene sind geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, ihnen werden Hygieneartikel verweigert und sie erhalten keine angemessene gynäkologische Versorgung. Die Mütter unter ihnen gelten als besonders vulnerable Gruppe, denn sie sind nicht nur mit den menschenrechtswidrigen und diskriminierenden Haftbedingungen konfrontiert; das Regime nutzt ihre Kinder aktiv, um Druck auf die politischen Gefangenen auszuüben. Oft wird ihnen mit dem Entzug der elterlichen Rechte und der Fremdplatzierung ihrer Kinder gedroht.
Galerie





Sie werden aufgrund ihrer politisch motivierten Verurteilung als «Extremistinnen» ohnehin als «sozial gefährliches Umfeld» betrachtet. Dieser Umstand ermöglicht es dem Regime ganz grundsätzlich, die Kinder ohne Gerichtsentscheidung für bis zu sechs Monate fremdzuplatzieren.
Die Angst, meine eigenen Kinder zu verlieren, verfolgt mich sogar in meinen Träumen (Antanina Kanavalava).
Die politische Repression wird zu einem Trauma für Mütter und ihre Kinder. Gleichzeitig dürfen Kinder ihre Eltern nicht im Gefängnis besuchen, weil die Behörden einen solchen Besuch für zu traumatisch halten. Dadurch fördert das Regime nicht nur die emotionale Entfremdung in den Familien, sondern bricht Mütter psysisch und droht ihren Kindern die Zukunft zu nehmen. Besonders zynisch wirkt da Lukaschenkas Grussbotschaft zum Muttertag 2025. In dieser Grussbotschaft erklärt er, dass die Mütter «als Seele und Hüterin der Familie […] liebevoll ein Zuhause voller Geborgenheit und Harmonie» schaffen, und ihre «tiefe Verantwortung» hervorhebt.
Für viele politische Gefangene wird der Muttertag zu einer schmerzhaften Erinnerung an die geraubte Zeit mit ihren Kindern und die verpassten Entwicklungsschritte. Deshalb fordern wir die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen – damit alle Mütter wieder mit ihren Kindern vereint werden!
So kannst du helfen:
Schreibe inhaftierten politischen Gefangenen eine Postkarte oder einen Brief ins Gefängnis. Eine Liste mit Adressen findest du auf der Webseite von Viasna. Eine detaillierte Anleitung, wie man Briefe an politische Gefangene schreiben kann, haben wir hier zusammengestellt.
